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Der Verband der traditionellen klassischen Flaschengärer erfindet sich neu

Quo vadis deutscher Winzersekt Teil 2

Der Verband der traditionellen klassischen Flaschengärer ein Zusammenschluss von Winzern, die Sekt aus deutschen Grundweinen nach traditioneller Methode von Hand herstellen.

Momentan ist der Verband dabei sich neu aufzustellen. Es wird nach einem neuen Namen für sich selbst und für das eigene Produkt gesucht. Ausserdem sollen eine gemeinsame Kennzeichnung und eine Neuentwicklung des Logos eine stärkere Wahrnehmung im Markt erreichen.

Aber ist es damit getan?

Wilkommen im Club

Schauen wir uns mal genauer an, was Stand heute (7. Aug 2019) bekannt ist.

Gemeinsame Kennzeichnung

Momentan gibt es beim deutschen Sekt keine klare Orientierung für den Verbraucher, keine erkennbare Profilierung der Gebiete, nur eine unüberschaubare Vielfalt.

Sich dem Verband deutscher Sektkellereien anzuschliessen, finde ich deswegen schon mal eine gute Idee.

Nur sitzen immer noch nicht alle an einem Tisch, um eine einheitliche Klassifizierung zu erstellen. Es gibt zum Beispiel noch den VDP (Verband deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter), der neulich seine eigene Klassifizierung auf den Markt gebracht hat. Rein logisch gesehen, müssten die Flaschengärer dem VDP nachfolgen. Für den Verbraucher wird es nur klarer, wenn es eine Kennzeichnung gibt. Nur das schafft eine bessere Wahrnehmung im Markt für traditionell hergestellten Sekt.

Ein neuer Name

Was ist so schlimm an dem Begriff “Deutscher Winzersekt”? Klingt wohl nicht schick genug und nicht nach grosser weiter Welt und Luxus?

Der Begriff “Deutscher Winzersekt” ist in den letzten Jahren aufgebaut worden. Er ist sogar seit 2009 geschützt durch die EU-Schaumweinverordnung. Einen neuen Namen zu finden und zu bewerben macht 10 Jahre Arbeit kaputt. Es ist ein Neustart, der vor allem erst mal bezahlt werden muss. Ein neuer Name sollte zudem international salonfähig sein. Das geht nicht von heute auf morgen, dauert Jahre und kostet viel Geld.

Ein neues Logo

Wie viele davon soll es denn noch geben? Es gibt so viele Logos und Siegel auf dem Markt für Getränke und Lebensmittel. Der Verbraucher blickt doch gar nicht mehr durch. Es sei denn er beschäftigt sich intensiv damit. Dazu ist Aufklärung notwenig, sprich Marketing, sprich es kostet wieder Geld. Und erklärt die Logos mal internationalen Kunden. Es sollte doch auch ein Ziel sein, den deutschen Sekt international bekannter zu machen.

Qualität

Was ist “hochwertig”oder “wertig”?

Ich habe mir mal den Spass gemacht und “hochwertig” gegoogelt. 30.500.000 Ergebnisse. Hoch oben auf der Liste stehen Synonyme und Bedeutung des Wortes. Es gibt keine eine Definition. Deswegen braucht “hochwertiger” Sekt Kennzahlen und Kriterien, die hochwertig messbar machen. Diese Definition von “Wertigkeit” muss dem Verbraucher einfach und verständlich kommuniziert werden. Das kostet ebenfalls Zeit und Geld.

Und druckt endlich mal alle das Degorgierdatum aufs Etikett.
Ohne ein Degorgierdatum lässt sich nicht festellen, ob ein Sekt tatsächlich gereift oder einfach nur alt und ein Ladenhüter ist. Das ist wirklich ein Qualitätsmerkmal, das einen Unterschied macht.

Auch gegenüber Champagner. Die Franzosen haben es bisher nicht verstanden, das Degorgierdatum zu nutzen und zu zeigen, dass der Schaumwein gereift, aber frisch und knackig ist.

Das Ende vom Lied

Die “Neuerfindung” und all die Ausgaben, die damit verbunden sind, bezahlt am Ende der Verbraucher. Die Kosten werden weitergegeben.

Es gibt folgende Szenarien:

Erstens: gleiche Qualität zu höherem Preis.
Die Schmerzgrenze des Verbrauchers schätze ich dafür sehr gering ein. Vor allem, wenn er nicht versteht wofür er bezahlt.

Zweitens: gleicher Preis, zu gleicher Qualität.
Das halte ich für eher unwahrscheinlich. Die Winzer müssen von etwas (über)leben.

Drittens: schlechtere Qualität zum gleichen Preis.
Das kann es dann aber auch nicht sein. Das passt nicht zur Vision traditionellen klassischen Flaschengärer. “Wir wollen unsere hochwertigen und nach traditioneller Methode von Hand hergestellten Sekte abgrenzen zu den industriell hergestellten Sekten der unteren Preiskategorie, die derzeit noch das Image der Marke „Deutscher Sekt“ prägen.”

Das absolute mieseste Szenario wäre viertens: schlechtere Qualität zum höherem Preis.

Fazit

Ich denke nicht, dass es schlecht ist, dass der Verband der traditionellen klassischen Flaschengärer sich Gedanken macht, wie deutschem Winzersekt ein besseres Image verpasst werden kann.

Die Strategie lässt nur zu wünschen übrig. Das was ich sehe, hat gute Ansätze aber es ist nicht durchdacht. Oder es wird schlecht kommuniziert.

Der Winzersekt muss sich nicht verstecken. Er ist meiner Meinung nach sogar Champagner voraus. Es gibt aber nur einen Versuch, um den traditionell hergestellten Sekt ins Rampenlicht zu rücken. Auch international. Dazu müssen alle an einen Tisch. Die Franzosen haben das mit Champagner geschafft, also werden wir Deutschen das doch wohl auch hinbekommen.

Macht was draus deutsche Winzer. Jetzt oder nie.

Das Neuste vom Neuen

13. Nov 2019

Der neue Name ist beschlossene Sache: „Verband traditioneller Sektmacher“.

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