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Quo vadis Schaumwein? Teil III

Heute ist mal wieder einer dieser Tage, wo ich auf ein Geschmackserlebnis warten muss.

Ich wollte diese Woche Cava und Franciacorta trinken. Die neuen Jahrgänge vom deutschen Winzersekt haben mich in letzter Zeit nicht so richtig überzeugt, Neuer Jahrgang, neuer Stil scheint das Motto in Deutschen Landen zu sein.

Es ist an der Zeit meinen Horizont zu erweitern. Es gibt ja noch mehr Schaumwein auf der Welt.

Die Auswahl fiel auf folgende Schaumweine: Le Marchesine, Franciacorta, Blanc de Blanc, 2010, Brut und Rimarts, Reserva Especial Chardonnay, 2013, Brut Nature. Und obendrein Bertha Max, Gran Reserva, 2007.

Was habe ich bekommen? Champagner !!! Und nicht einmal einen Guten.
Ich habe es auch mehrfach überprüft. Meine Augen sind in Ordnung. Auf dem Etikett steht deutlich Cava und Franciacorta.

Ich bin milde gesagt, etwas aufgebracht. Zeit für meinen nächsten Quo Vadis Schaumwein-Post. Teil I und Teil II sind bereits online. Ich muss es einfach loswerden.

Was steckt in einer Flasche Schaumwein?

Jede Menge Identität wenn, es nach den Winzern geht. Schaumweine in ganz Europa, wie z.B. der deutsche Winzersekt, der spanische Cava oder italienischer Franciacorta sollen das Terroir der Region auf die Zunge bringen.

Jedes Glas soll die unterschiedliche Mischung aus Boden, Klima und traditioneller regionaler Sorten widerspiegeln. Jeder Schluck soll sprudeln und die Sinne mit dem Geschmack einer Region erfrischen… OK genug Marketing 🐮 💩.

Anders ausgedrückt in einem Wort, heisst das „Champagner-Stil“.

Ja, du hast richtig gelesen. Champagner. Schaumwein aus der bekannten Region in Frankreich. Die Einzigen, die ihren Schaumwein Champagner nennen dürfen, weil er geschützt ist. Die anderen Regionen nennen ihre Produkte deswegen zum Beispiel Cava. Winzersekt oder Franciocarta. Der Hintergedanke ist bei vielen aber der Selbe.

Der lange Weg zur Marke

Die Kunden wissen mittlerweile, dass es im Discount-Supermarkt etwas anderes als „El Cheapo“ Schaumwein für 2,49 Euro pro Flasche gibt.

Grundsätzlich ist es übrigens nicht die Schuld des Champagners, dass es die anderen Regionen nicht schaffen ihren Schaumwein zu etwas Besonderem zu machen. Ich weiß, dass der Aufbau einer Marke viel Zeit und Geld kostet. Die kleinen Winzer, außerhalb der Champagne, haben oft nicht das Geld für Werbung.

Jeder kennt Champagner. In der Marke steckt mittlerweile genügend Geld, um sie bis in den letzten Winkel der Erde bekannt zu machen.

Deutscher Winzersekt

Schauen wir uns zum Beispiel mal den deutschen Winzersekt an. Im Vergleich zum Champagner steckt der in den Babyschuhen. Es wurde viel Zeit und Geld investiert, um ihn in den letzten Jahren als internationale Marke zu etablieren. Er wurde im Jahr 2009 markenrechtlich geschützt, im Vergleich zu Champagner 1936.

Es ist wichtig zu erkennen, dass der Siegeszug des Champagners hingegen schon vor 1936 begann. Es war im Laufe des 17. Jahrhundert. Die Champagnerhäuser hatten eine lange Zeit, um ihren Ruf aufzubauen. Die anderen Regionen haben noch einen langen Weg vor sich.

Ich spreche nicht von der Sektqualität. Ich meine das Bewusstsein und Verständnis für das Produkt Sekt. Wintersekt schlägt Champagner in Blindverkostungen. Das ist mittlerweile unzähliger Male bewiesen worden.

Sekt? Das klingt nicht sehr sexy und ins Englische übersetzt bedeutet es zum Beispiel Kult oder Sekte. Kein guter Start für den Verkauf. Und dann noch ein Jahrgang 2010. Äh, Geld für 10 Jahre alten Sekt auszugeben? Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas gut sein soll. Ich will etwas Besonderes, wie Champagner. So in der Art werden, unsere deutschen Winzer Tag täglich konfrontiert.

Ich verstehe es, dass es Zeit und Mühe erfordert, dem Kunden zu erklären, dass der Sekt nicht alt, sondern frisch degorgiert ist. Auf der anderen Seite hat man viel Herzblut in die Herstellung des eigenen Sektes gesteckt. Wo ist die Logik? Wenn man stolz auf ein Produkt sind, kämpft man dafür. Warum den schweren Weg gehen gereiften Sekt herzustellen, wenn man den 2,49 Euro Sekt mit Tankfermentierung machen kann?

Der einfache Weg

Wie schon erwähnt, Erklären is langwierig und mühsam ist. Es ist leichter dem Kunden zu erklären, dass der Sekt im Champagner-Stil geacht worden ist. Das spart Zeit und jeder versteht es.

Ich denke, es ist schade. Alles schmeckt ähnlich und die Identität geht mit der Zeit verloren. Das Ziel der Winzer ist es, Champagner zu machen und ein Stück vom Kuchen zu bekommen.

Die Liebe zum Produkt

Ich trinke gerne gereiften Sekt mit dem gewissen Etwas. Der Einheitsbrei ist mir nicht genug. Ich schätze jedenfalls, was in meinem Glas ist. Und wenn ich Champagner trinken möchte, kaufe ich Champagner. Nichts anderes.

Ich denke, ich bin nicht alleine, da draussen. Aber es sind einfach nicht genug Leute, um es rentabel zu machen.

Vergesst nicht, dass ein Schaumwein nicht weniger wert ist und weniger Anerkennung verdient, weil er nicht das Etikett und den Ruf von Champagners hat.


Liebe Winzer hört nicht auf euer Produkt zu erklären. Bezaubert die Kunden und schafft Vertrauen. Lasst die Leute probieren. Auch das Spitzenprodukt. Den Rest der Flache kann man selbst gemütlich am Abend selbst trinken. Und habt keine Angst vor der Kundenreaktion. Es dauerte Jahrhunderte bis Champagner seinen Ruf erlangte. Bei den Nicht-Champagnern wird es sicher nicht über Nacht passieren.

Und fangt vor der Haustüre an. Es bringt nichts vom internationalen Ruhm zu träumen, wenn die eigenen Landmänner und -frauen das Produkt nicht verstehen.

Auch wenn ich mich wiederhole. Bitte nehmt nicht den einfachen Weg, liebe Winzer. Quo Vadis Schaumwein, Sekt, Cava und Co? Wollt ihr wirklich nur eine Champagnerkopie sein?

Ich suche weiterhin die schönen gereiften Flaschen, die kein Champagner sind. Ich werde sie meinen Freunden zeigen und erklären. Es muss nicht immer Champagner sein muss. Mach dir das bewusst.

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