Regeln für den Champagnereinkauf in Frankreich

Ich mache um Champagner meist einen grossen Bogen. Es ist mitunter unmöglich herauszubekommen, was in der Flasche ist. Die deutschen Sekte sind keinen Deut besser. Das steht aber auf einem anderen Blatt Papier.

Für Champagner werden im grunde genommen die 3 Rebsorten verwendet. Pinot Noir (Spätburgunder), Pinot Meunier (Schwarzriesling), sowie Chardonnay.
Die Mischung der Sorten bestimmt den Charakter des jeweiligen Champagners. Leider sagen die Etiketten wenig über den Flascheninhalt aus. Das macht es beliebig schwierig eine Auswahl zu treffen. Und die gibt es in der Champagne. In allen Preisklassen.

Wenn man ein paar Regeln, beim Champagnereinkauf in Frankreich beachtet, dann findet man gute Tropfen.

Probieren geht über studieren

Ein guter Champagner hat ganz zarte und unaufdringliche Fruchtaromen. Zudem duftet er nach Hefe und Brioche. Die Kohlensäure wirkt nicht aggressiv.

Ohne Probe sollte man deswegen keinen Champagner kaufen.

Die Kellermeister der großen Champagnermarken achten darauf, dass ihre Produkte immer gleich schmecken. Hier geht beim Einkauf wenig schief, wenn einem das schmeckt.

Ich finde den wiederkehrenden Geschmack langweilig. Ich tendiere deswegen dazu kleinere Champagnerhäuser zu testen. Die sogenannte Champagnerwinzer. Bei den kleinen Champagnererzeugern kann der Geschmack je nach Jahrgang variieren. Das bietet einerseits eine grössere Geschmacksvielfalt. Andererseits wird ein Blindkauf schnell teuer. Schliesslich fehlt der vertraute, verlässliche Geschmack.

In den Randregionen der Champagne gibt es Trinkproben gratis. In Reims oder Epernay bezahlt man für Sektproben 5 bis 10 Euro pro Glas. Das Geld ist meiner Meinung nach gut angelegt. Flaschen, die im Abfluss landen, sind keine Schnäppchen mehr.

Preise

Wer billig einkauft, der betrügt sich selbst. Champagnerhersteller haben hohe Kosten. Allein die Trauben aus der Champagne kosten zwischen fünf und sieben Euro pro Kilo. Man braucht mindestens ein Kilo davon, um eine Flasche zu füllen. Die Handlese ist vorgeschrieben. Ferner wird eine Flasche Champagner bis zu 40 Mal in die Hand genommen, bevor sie zum Kunden kommt. Das bedeutet hohe Personalkosten. Darüber hinaus sorgt die vorgeschriebene lange Reifezeit für Kapitalbindung.

Es gibt immer wieder Weine, die qualitativ nicht einwandfrei sind. Sie werden trotzdem verarbeitet und verkauft. Billig-Champagner erfüllen zwar die Vorschriften. Geschmacks- und Qualitätsniveau sind jedoch an der unteren Grenze des Zumutbaren.

Wenn man Glück hat findet man in grossen Supermärkten, gute Champagner für einen Bruchteil des Originlpreises. Es macht einen schon mal stutzig, wenn der Jahrgangssekt 2007 für 25€ zu haben ist. Beim Champagnerhaus ist der aktuelle Jahrgang 2009 für 60€ gelistet.

Regel für den Champagnerkauf in Frankreich: geh in einen Supermarkt
Auswahl Champagner in einem farnzösischen Supermarkt

Wo kommt die Differenz her? Ich denke, die Hersteller fokusieren sich auf neue Jahrgänge. Die Älteren werden zu einem bestimmten Zeitpunkt aussortiert. In den Supermärkten werden diese Flaschen billiger angeboten.

Als Faustregel kann man sich folgendes merken:

Ein guter Winzerchampagner ohne Marketing kostet um die 20 Euro. Für eine Flasche Standard-Champagner bezahlt man um die 35 Euro.

Das Etikett

Kunstvolle, elegante Flaschendesigns und Etikett bedeuten keinen guten Inhalt. Wichtig sind die kleinen, schwarzen Dinger, die auf dem Etiektt zu finden sind. Oder auch nicht.

Champagner Etikett, Champagnereinkauf Frankreich
Beispiel eines Etikettes

Mindestangaben, wie der geschützte Begriff „Champagne“, Markenname und Adresse des Herstellers, Flascheninhalt, Alkoholgehalt oder Zuckergehalt helfen nicht.

Der Champagner ist ein Cuvée. Das heisst er besteht aus einer Mischung aus Weinen. Die Rebsorten werden fast nie angegeben. Wenn sie deklariert werden, dann fehlt das Mischverhältnis. Ebenso der Jahrgang. Das soll den Herstellern, die bestmöglichte Flexibilität geben, den Markencharakter zu bewahren. Der Verbraucher steht allerdings dumm da. Gut geschultes Personal kann hilfreich sein, Informationen zu bekommen, die nicht auf dem Etikett stehen.

Cuvée prestige oder cuvée spéciale sind Spitzenerzeugnisse eines Herstellers. Ebenso ein Millésime. Hier liegt die Vermutung schon eher nahe, dass es sich um ein Qualitätsprodukt handelt.

Wenn der Preis und der Inhalt stimmt, dann kaufe ich gerne einen Millésime blind. Bei einem Millésime ist die Angabe des Erntejahrgangs Pflicht. Er liegt mindestens 3 Jahre auf der Hefe. Wenn dann noch Chardonnay auf dem Etikett steht, dann ist die Flasche fast gekauft.

Das Degorgierdatum

Das Degorgierdatum auf dem Etikett ist keine Pflicht. Man weiss nicht, ob der Champagner gereift ist oder einfach nur alt. Deswegen informiere ich mich, welche Reifungs-Philosophie der Hersteller hat. Dank Internet geht das vor dem Flaschenregal. Champagner entwickelt sich in der Flasche, nach dem Degorgieren weiter. In die richtige und die falsche Richtung.

Einkaufen in Reims

So und nun auf nach Reims. Mit den Regeln für Champagnereinkauf in Frankreich, kann fast nichts mehr schief gehen. Es sei denn die Franzosen streiken. Wo ich mich dort überall umgesehen habe, erfährst du hier.

Spoiler: Ich habe meine eigenen Regeln für den Champagnereinkauf in Frankreich nicht beachtet und bin super auf die Nase gefallen.

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