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Verkostungsnotizen für Sekt

Sekt-Verkostungsnotizen sind meine Erinnerung an einen Schaumwein. Sie helfen mir mich zu erinnern, in welche Flaschen ich mich verliebt habe, welche ich für trinkbar halte und welche ich nie wieder anfassen werde. Sie sind in erster Linie für mich selbst.

Wenn ich nicht aufschreibe, was ich über einen Sekt denke, dann habe ich es sofort wieder vergessen. Nur so weiß ich auch nach Monaten noch, wie ein bestimmter Sekt geschmeckt hat. Ich kann bequem neue Flaschen vergleichen.

Sekt ist Genuss. Er sollte nicht stressen. Macht man Verkostungsnotizen öffentlich zugänglich, dann können sie ein Einstieg für andere zum Sekt sein.

Allerdings haben Verkostungsnotizen erhebliche Schwächen, wenn man sie veröffentlicht.

Schwächen von Notizen

Veränderungen

Erstens spiegeln Verkostungsnotizen den Zustand des Schaumweins zu einem bestimmten Zeitpunkt wider. Der Zustand des Schaumweines kann sich ändern.

Objektivität

Zweitens ist die einzige Wahrheit bei der Sektanalyse alles, was man in Zahlen messen kann. Zum Beispiel Jahrgang, Lagerfähigkeit, Alkoholgehalt, Säure, Restzucker, usw.

Notizen sind nicht objektiv. Im Gegenteil, sie sind so was von subjektiv. Jeder hat unterschiedliche Bezugspunkte für Geschmack und Geruch.

Ablesen kann man das logischerweise an den eigenen Bewertungen. Die fallen je nach dem emotionalen Moment, dem aktuellen Wetter, oder der Kuh unterm Apfelbaum immer etwas anders aus. Bestes Beispiel, das du sicher kennst. Das Lieblingsgetränk aus dem Urlaub schmeckt plötzlich nicht mehr so prickelnd daheim.

Das Netz ist voll von Sekt-Verkostungsnotizen. Schaut man die sich mal genauer an, dann findet man Übereinstimmungen nur bei den unspezifischen Aussagen, wie z.B. lecker oder fruchtig. Sobald es spezifisch wird und die Aromen beschrieben werden, fällt den Leuten immer was anderes ein. Das geht mir genauso.

Sprache

Drittens: Die Sprache macht viel aus. Experten-Gelaber nein danke oder ja bitte? Mit dem einen identifiziert man sich mehr, mit dem anderen weniger. Was für eine Person hilfreich ist, klingt für eine andere Person albern.

Warum solltest du meine Notizen lesen?

Die Verkostungsnotizen der Winzer sind in vielerlei Hinsicht ein Liebesbrief an das eigene Produkt. Keiner Winzer wird Schlechtes über den eigenen Schaumwein schreiben. Ich habe einen gewissen Abstand dazu und kann im Gegensatz dazu sagen, er schmeckt mir oder nicht.

Das ist immer noch subjektiv, denn es ist ja mein Geschmack. Mit einer zusätzlichen, unabhängigen Meinung kann es allerdings einfacher sein, eine Auswahl zu treffen.

Bleib informiert. Vertraue deinem Geschmack. Damit kommst du sehr weit. Es muss dir schmecken.

Trau dich zu sagen, wenn es dir nicht schmeckt. Das ist keine Schande. Auch wenn es der Schaumwein aus der einzigartigen Lage Die-kennt-doch-wirklich-jeder kommt, mit 100 Punkten im Gourmet-Exklusiv-Führer und empfohlen vom Experten Prof. Dr. Ich-weiss-was-dir-schmeckt.

Wenn es nicht deinen Geschmack trifft, dann kann es dir EGAL sein.

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