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Weisst du wieviel Zucker im Sekt ist?

Während der gesamten Sektherstellung hat der Kellermeister jede Menge Möglichkeiten, den Geschmack des Endproduktes beeinflussen.
Der Zucker, der dem Sekt zugesetzt wird, bestimmt die Süsse oder Trockenheit einer jeden Flasche. Auf dem Label der Sektflasche muss die Zuckerangabe entsprechend ausgewiesen werden. Das kann dann so aussehen: Riesling, brut.

Aber mal ehrlich, weisst du was „brut“ bedeutet und wie der Sekt dann schmeckt? Extratrocken klingt doch trockener wie brut, nicht?

Was also habe ich da im Glas? Die folgende Grafik bring hoffentlich Licht ins Dunkle. Sie zeigt den Restzuckergehalt eines Schaumweines und die Bezeichnung in französisch (Champagner), englisch (Sparkling wine) und deutsch (Sekt).

Sprich „brut“ ist trockner wie „extratrocken“

Es gibt Schaumwein für jeden Geschmack

Schaumweine können einen Zuckergehalt (Dosage) von 0 bis 50+ g/l haben.
Der trockenste Schaumwein hat einen Restzucker von 0 bis 3 g/l und kann folgende Kennzeichnung haben: brut zero, brut nature, pas dosé, zéro dosage oder naturherb.

Die irreführenste Bezeichnung eines Schaumweines, ist meiner Meinung nach, „trocken“.
Trockener Schaumwein kann nicht mit trockenem Wein verglichen werden. Der Zuckergehalt im Schaumwein ist höher, denn die Wahrnehmung wird durch die natürliche Kohlensäure im Sekt abschwächt. „Trocken“ bedeutet beim Sekt einen Zuckergehalt von 17-32 g/l und das ist relativ süss.

So, das waren jetzt jede Menge Zahlen und du hast wahrscheinlich immer noch keine Ahnung wieviel Zucker in deinem Sekt ist.

Hier sind einige süsse Beispiele aus dem Alltag: Gin & Tonic hat einen Zuckergehalt von 14 g/l, Fruchtsäfte liegen bei um die 100 g/l und Cola hat 120 g/l.

Geschmack im Wandel der Zeit

Es kann nachgewiesen werden, dass über die letzten zwei Jahrhunderte der Zuckergehalt im Schaumwein mehr und mehr reduziert wurde.

Im 19. Jahrhundert wurde sehr süsser Champagner mit einem Zuckergehalt von 50 bis 100 g/l oder mehr getrunken.
Zucker war selten und teuer und als Luxusware betrachtet. Süsser französischer Champagner war das Getränk der gehobenen Gesellschaft und des Adels in Europa.

Der russische Markt hatte einen besonders „süssen Zahn“ in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Champagner hatte bis zu 300 g/l Zucker und es war üblich während des Essens nochmal löffelweise Zucker dem Getränk beizumischen.

Heute wird sehr wenig milder (doux) und halbtrockener Sekt (demi-sec) hergestellt. Süsser Sekt wird oft mit billigem Sekt verbunden, der ekelhaft süss sein kann. Das Getränk hinterlässt einen klebrigen Eindruck im Mund. Ich muss bei süssem Sekt immer an Rotkäppchen „mild“ denken. Zucker sollte den Geschmack und den Geruch des Sektes hervorheben und unterstreichen und nicht ihn dominieren.

Es gibt sehr feinen, süffigen, süssen Sekt, wenn man etwas danach sucht. Im russischen Supermarkt findet man zum Beispiel milden oder halbtrockenen Krim Sekt von Artemovsk. Der Sekt reift über die Jahre in der Flasche und nicht im Tank und ist zu einem vernünftigen Preis von unter 10 Euro zu haben. Er eignet sich super, als Begleiter zum Frühstück, um in den Tag zu starten.

Oder schau beim Weingut Schales vorbei. Wenn du Glück hast, dann gibt es noch den Kerner halbtrocken, 2004. Der schmeckt solo richtig gut. Feinfruchtig, würzig und süffig. Ein bisschen nach Muskat, ein bisschen nach Apfel und etwas Beere ist auch noch dabei.

Süsser Sekt ist ein hervorragender ergänzender Begleiter zu Nachspeisen und Gebäck, oder eignet sich als Kontrast für reichhaltiges, salziges Essen, wie Schwarzwälder Schinken, Karréspeck oder Käse.

Das Experiment

Letzte Woche waren wir beim Weingut Lichti in der Pfalz, in Laumersheim.
Die machen einen Heroldrebe Sekt, trocken, der nun 5 Jahre auf der Hefe liegt. Wir konnten die Familie Lichti überzeugen uns einen Heroldrebe Sekt, brut nature zu machen. Also null Zucker im Sekt statt der üblichen 17+ g/l. Vielen Dank.
Beim Verkosten hat sich dann eine interessante Diskussion über das Zusammenspiel von Zucker, Säure und Kohlensäure ergeben.

Die Lichtis waren vom brut nature nicht so ganz überzeugt. Eine „extra Prise“ Zucker verbessere das Aroma des Sektes.
Wir waren der Meinung das keine Dosage einen völlig anderen Geschmack ergibt und man die 2 Sekte so nicht vergleichen kann.

Lichti Heroldrebe, brut nature
Lichti Heroldrebe, brut nature

Was man beobachten kann ist, dass die Heroldrebe, trocken, süsser und fruchtiger schmeckt im Vergleich zum brut nature.
Der brut nature Sekt ist säurelastiger, ohne aggressiv zu sein und die Fruchtnoten sind dezenter im Vergleich zum trockenen Sekt. Es ist bemerkenswert, dass der brut nature so viel Eigengeschmack hat, ohne die Zugabe von Zucker. Beide Sekte sind erfrischend, mit einem vollen Nachgeschmack.

Es ist übrigens wissenschaftlich nicht erwiesen, dass Zucker eine aromaverstärkende Wirkung hat. Wir Menschen nehmen das aber so wahr.

So, wenn du mich fragst, was für einen Sekt ich dir empfehlen würde, dann kann ich nur sagen: Es kommt auf DEINEN Geschmack an. Probier auf jeden Fall verschiedene Geschmacksrichtungen, damit du herausfindest was dir schmeckt.

„Let’s explore the world of bubbly through the lens of a sparkling wine glass — preferably full“

Sugarsnail

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